Von 1. bis 7. Juni finden in Fresach und Villach die Europäischen Toleranzgespräche statt. Experten aus Literatur, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren eine Woche lang über Europa und die neue Weltordnung – unter dem Motto „WahnSinn – Welt in UnOrdnung?“ „Oligarchen aller Länder vereinigt euch mit antidemokratischen Politikern und teilt euch die Welt untereinander auf!“ Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) bezeichnete seine Worte selbst als „zugespitzt“, warnte jedoch vor dem gefährlichen Verlust an Vertrauen in die Institutionen unserer Demokratie. Die aktuelle Lage Europas und der ganzen Welt müsse kritisch gesehen werden und es müssten neue Antworten für eine tragfähige Zukunft unserer Weltordnung und unserer Gesellschaft gefunden werden. „Die Welt braucht Mut und Optimismus.“ Das Ziel müsse bleiben: ein friedvolles solidarisches Miteinander in Wohlstand durch soziale Gerechtigkeit. Von links: Wilfried Seywald, Peter Kaiser, Margarethe Prinz-Büchl, Hannes Swoboda, Günther Albel, Manfred Sauer, Peter Allmaier © KLZ / Sandra Müllauer Menschen brauchen Hoffnung Für Kuratoriumspräsident Hannes Swoboda brauche es „prinzipientreuen Pragmatismus, der die Grundsätze des Humanismus beinhaltet“, wenn es um Themen wie den Frieden in der Ukraine, die Klimafrage oder unkontrollierte Migration geht: „Es geht darum, Menschen Hoffnung und Zuversicht zu geben, dass Lösungen möglich sind“, sagte er. „Dem Schwachsinn Widerstand leisten“ Für die Stadt Villach betonte Bürgermeister Günther Albel, dass „make the past great again“ nicht die Devise sein dürfe. „Jede Krise ist auch eine Chance, wir sollten über alte Gewohnheiten neu nachdenken“, sagt er und verweist auf die Wichtigkeit von Bildung: „Nur so kann man dem Schwachsinn Widerstand leisten.“ „Wunsch nach starken Männern spürbar“ Superintendent Manfred Sauer und Dompfarrer Peter Allmaier nahmen Bezug auf die gegenwärtige europaweite und globale Situation, die Bedrohung durch Extreme, Kriege. „Es ist schwer nachvollziehbar, warum die liberale Demokratie plötzlich nicht mehr den Stellenwert hat, den wir uns wünschen“, sagte Sauer. Er betonte die gemeinsame Verantwortung der Kirchen, man müsse herausfinden, warum „der Wunsch nach starken Männern so spürbar“ sei. Allmaier ging auf das gewählte Thema „Wahnsinn“ und seinen Ursprung bzw. dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Zusammenleben ein. Umgang mit Wahnsinn ist individuell Margarethe Prinz-Büchl, Vorstandsmitglied Denk.Raum.Fresach, erklärte die Thematik der Toleranzgespräche bzw. die derzeitigen Herausforderungen kurz damit, dass „Wahnsinn sich in unseren Lebensbereichen breitmacht und der Umgang damit individuell ist, jedenfalls die Menschen überfordert“. Die Menschen würden Sicherheit und Stabilität brauchen, um ihre Struktur und Ordnung zurückbekommen zu können. Fresach mit seinen Toleranzgesprächen sei ein Ort, „in dem die Grundlage für diese Diskussionen geschaffen wird. Das macht mich stolz“. Das Programm 1. Juni, 11 Uhr: Literaturforum, Toleranzmuseum Fresach 4. Juni, 14 Uhr: Jugendforum Villach, Neue Bühne Villach 4. Juni, 16 Uhr: Philosophicum Villach, Neue Bühne Villach 4. Juni, 19 Uhr: Eröffnungsempfang, Neue Bühne Villach 5. Juni, 9-18 Uhr: Europaforum Fresach, Toleranzzentrum Fresach 5. Juni, 18.30 Uhr: Europäischer Toleranzpreis für Demokratie und Menschenrechte, Toleranzzentrum Fresach 6. Juni, 9-17.30 Uhr: Wirtschaftsforum Fresach, Toleranzzentrum Fresach 6. Juni, 18.30 Uhr: Young Poetry Slam, Toleranzzentrum 7. Juni, 8-12 Uhr: Toleranzfrühstück, Gasthof zum Wirt Infos: www.fresach.org Sandra Müllauer, Redakteurin Kärnten-Ressort